Kurzarbeit trotz voller Auftragsbücher

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Lieferengpass bremst Produktion von Ladestationen für Elektroautos

Aufgrund der weltweiten Knappheit an Elektronikkomponenten muss der Wallbox-Hersteller go-e zum 1. Oktober 48 Beschäftigte zur Kurzarbeit anmelden. Betroffen sind Mitarbeiter aus Produktion und Lager am Standort Feldkirchen in Kärnten. Wegen wiederholter coronabedingter Einschränkungen kann ein Schlüssellieferant die bestellte Mengen an elektronischen Bauteilen nicht termingerecht liefern. Zugesicherte Komponenten von Zweitlieferanten hat go-e bereits abgerufen. Daher ist der Ladetechnikspezialist gezwungen, die eigenen Produktionskapazitäten wöchentlich dem Volumen an verfügbaren Bauteilen anzupassen. Die Zuliefersituation bleibt voraussichtlich bis zum Jahresende angespannt, weshalb die Dauer der Kurzarbeit zunächst auf drei Monate ausgelegt ist. Das tatsächliche Ausmaß lässt sich aufgrund der dynamischen Situation nur monatsweise im Nachhinein feststellen.

Die go-e Personalabteilung und die Geschäftsführung stehen bereits seit einigen Wochen im intensiven Austausch mit dem AMS und Sozialpartnern, da sich der Versorgungsengpass bereits andeutete. Die Beschäftigten wurden frühzeitig über die Liefersituation und mögliche Folgen informiert. go-e Geschäftsführerin Susanne Palli, unter anderem zuständig für Personal und Finanzen, dankt den öffentlichen Partnern für das vorübergehende Beschäftigungsmodell: „Mit der Kurzarbeit können wir unserem qualifizierten Team in herausfordernden Wochen klare Zukunftsperspektiven bieten. Gleichzeitig bewahrt sich go-e einen Teil des erarbeiteten finanziellen Spielraums, der gerade jetzt für strategische Investitionen von hoher Bedeutung ist, um unser Unternehmen in Europa auch langfristig als bedeutenden Hersteller für smarte Elektroautoladestationen zu etablieren. In dieser Position werden wir auch in Zukunft zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und zur wirtschaftlichen Entwicklung an unseren Standorten beitragen.“ Üblicherweise ist Kurzarbeit mit einer reduzierten Entlohnung verbunden. Um die von der Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter finanziell abzusichern, gleicht go-e den Lohn im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auf 100 Prozent. Im Unternehmen arbeiten derzeit 94 Beschäftigte an drei Standorten, der überwiegende Teil am Verwaltungs- und Produktionsstandort in Feldkirchen in Kärnten.

Kritische Zuliefersituation bereits seit Beginn der Coronapandemie

Seit dem letzten Jahr agiert das Kärntner Green Tech Unternehmen in einem Umfeld aus exponentiell steigender Nachfrage nach den eigenen Produkten und globalen Einschränkungen des Produktionsvolumens bei Lieferanten. „Unser Einkaufsteam hat in diesem schwierigen Umfeld weitsichtig gehandelt und damit zum kontinuierlichen Wachstum des Unternehmens beigetragen. Die stetig steigenden Produktionskapazitäten konnten wir bisher trotz der angespannten Lage auch durch die Gewinnung von alternativen Zulieferern und dem Aufbau von Lagerkapazitäten sicherstellen. Doch wenn Lieferanten ihre Produktion aufgrund von restriktiven Coronabeschränkungen immer wieder einschränken müssen, lässt sich ein Engpass irgendwann nicht mehr abwenden. Viele große Hersteller und Mitbewerber haben dies bereits in den vergangenen Monaten zu spüren bekommen. Nun hat es leider auch uns getroffen“, berichtet go-e Geschäftsführer Vincent Marbé, der unter anderem die Bereiche Einkauf und Produktion verantwortet.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Ladestationen von go-e betragen die Lieferzeiten bereits seit dem letzten Jahr durchgehend mehrere Wochen. go-e ist bestrebt bereits kommunizierte Lieferzeiten zu realisieren und die Zeiten zwischen Bestelleingang und Auslieferung weiterhin so kurz wie möglich zu halten. Aufgrund der angespannten Zuliefersituation müssen Kunden allerdings mit Verzögerungen rechnen. Der Wallbox-Hersteller informiert betroffene Kunden in diesem Fall individuell.

Das Kärntner Unternehmen entwickelt und produziert den go-eCharger, eine intelligente Ladestation, die in verschiedenen Varianten für die stationäre sowie mobile Verwendung erhältlich ist. Mit dem Produkt lassen sich alle in Europa zugelassenen Elektroautos und Plug-in-Hybride mit zahlreichen Komfortfunktionen laden. Die Nachfrage nach dem go-eCharger entwickelt sich auch 2021 im Vergleich zum Vorjahr exponentiell. Trotz der aktuellen Zuliefersituation beabsichtigte go-e bis zum Jahresende eine sechsstellige Anzahl an Ladestationen zu produzieren und damit die Menge des vergangenen Jahres annähernd zu verfünffachen.